Parkplatz-Patrone auf der letzten Patrouille

Umbau Haagestraße und Clamartpark – da fallen auch Parkplätze weg. (Foto; jj)

Lüneburg, 9. Dezember 2022

Ohne Frage, wir stecken mitten in einem Déjà-vu. Nicht, weil die Stadt wieder im Weihnachtslicht glänzt, nicht wegen der Glühwein-Seligkeit und der Frage, ob das Getränk zu teuer ist. Nein. Es ist ein Asphalt-Déjà-vu dank des letzten Gefechts der Parkplatz-Partrone im Rat.

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Karl der Käfer wird nicht gefragt

Lüneburg, 8. Dezember 2022

Ob Spekulationen zur Elbbrücke oder Karrieren, wie der von Monika Scherf, das ist Stoff, manchmal dünner, für Journalisten. (jj/ArL)

Im Film „Schiffsmeldungen“ erklärt der alte Lokalreporter am Ende der Welt in Neufundland dem Greenhorn der Redaktion beim Gang durch die Gemeinde worauf es ankommt. Zuspitzen. Als dunkle Wolken am Horizont aufziehen, fragt er den Volontär nach einer passenden Schlagzeile. Der philosophiert über dunkle Wolken. Dann legt der Lokalreporter los: 

„Unmittelbar bevorstehender Sturm bedroht Gemeinde!“
Der Neuling: „Aber was ist, wenn gar kein Sturm kommt?“
Lokalreporter:  „Gemeinde von tödlichem Sturm verschont!“

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Geld versenken fürs Posten-Karussell

Monika Scherf (l.) muss als Landesbeauftragte auch für den Kreis Harburg gehen, Karin Beckmann kommt. (Foto: jj/privat/stk-nds)

Lüneburg. 2. Dezember 2022

„Vier Jahre Zeit hatte Karin Beckmann (SPD), um das Amt für regionale Landesentwicklung aufzubauen. Jetzt weilt sie im einstweiligen Ruhestand, ihr Posten wurde mit einer Christdemokratin besetzt.“

Keine Angst, das ist kein Artikel aus der Zukunft, sondern einer aus der Vergangenheit, genauer aus der HAZ. Karin Beckmann wird zwar jetzt (2. Dezember) erst neue Landesbauftragte in Lüneburg. Aber Sie hatte den Posten bereits einmal inne, nur nicht in Lüneburg, sondern in Hildesheim.

Beckmann, so lobte damals die Hannoversche Allgemeine Zeitung, habe ihre Arbeit gut gemacht. Sie wurde trotzdem geschasst, weil die Landesregierung wechselte. Und genau dieser Fall trifft jetzt von A bis Z auf Monika Scherf zu, die bisher Landesbauftragte in Lüneburg war. Monika Scherf ist Christdemokratin. Und im Land regiert eben nicht mehr die SPD mit der CDU, sondern mit den Grünen.

Gute Amtsführung
falsches Parteibuch

Monika Scherf hat das Amt ohne Fehl und Tadel geführt, das früher Bezirksregierung hieß mit einem Regierungspräsidenten an der Spitze. Aber der Christdemokrat Uwe Schünemann wollte sich Anfang der 2000er-Jahre als dynamischer Innenminister profilieren und widmete die Bezirksregierung um. Heute reichen bald die Hinweisschilder nicht, so viele Ämter und Unter-Ämter sitzen im Behördenzentrum an der Ilmenau.

Ob beim Behörden-Umtaufen oder vor allem beim Regierungswechsel: Die Politik setzt Dungmarken, spielt „Bäumchen wechsel dich“. Denn nun kommt Frau Beckmann, die zuletzt Referatsleiterin im Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung war, nach Lüneburg. Wie Scherf ist sie auch in der Kommunalpolitik aktiv, die eine in Burgwedel, die andere in Lüneburg. Vermutlich gibt es es noch mehr Parallelen.

Am Ende zahlt
der Steuerzahler

Und Monika Scherf? Einstweiliger Ruhestand? Zum Glück gibt es noch mehr Landesbauftragte, so für Datenschutz oder Menschen mit Behinderungen oder Heimatvertriebene oder Opferschutz. Und dann gibt es noch Präsidalämter wie am Landesrechnunghof und, und, und. Also, Frau Scherf, bleiben Sie fröhlich.

Bei der Verteilung der Posten handelt es sich nicht um das Gleichgewicht des Schreckens, sondern des politischen Proporzes im Lande. Das heißt, auch die große Fraktion CDU hat Zugriff auf den ein oder andern Posten. Die Liberalen bleiben dieses Mal auf der Strecke. Wie genau die Posten-Equilibristik hergestellt wird, das wissen nur die Küchen-Kabinette der Parteien. Am Ende der politischen Nahrungskette steht der Steuerzahler, der bezahlt das Mühlespiel.

Hans-Herbert Jenckel

Hintergrund:

Das Amt für regionale Landesentwiclkung mit der Landesbeauftragten ist für elf Landkreise zuständig, ob Celle, Cuxhaven, Lüneburg, Wendland, Heidekreis, Stade oder Uelzen oder Harburg. Es bewilligt unter anderem im Jahr rund 40 bis 50 Millionen Euro EU-Fördergeld oder Zuschüsse für die Metropolregion.

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Passt eine neue Brücke für Radfahrer an der Ilmenau zu einem tiefroten Etat?

Neben der Eisenbahnbrücke soll vom Treidelpfad auch ein Brücke für Radfahrer und Fußgänger über die Ilmenau geschlagen werden. (Foto: jj)

15. November 2022

Eigentlich hätte die schmale wiewohl teure Brücke über die Ilmenau schon Ende 2020 fertig sein können, prognostizierte einst Alt-OB Ulrich Mädge. Doch bis heute wird nur geplant. Die Brücke für Radfahrer und Fußgänger soll vom Treidelpfad zwischen Bardowick und Lüneburg über die Ilmenau namentlich zur Arena führen. Die Kosten werden mit rund 1,5 Millionen Euro taxiert. Es lockt eine dicke Förderung. Ich frage mich trotzdem: Muss das jetzt zwingend sein bei einem tiefroten Etat-Entwurf für 2023? Ist das existenziell für die Arena? Nein.

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Kleine Summe, großer Flurschaden im Rat

Lüneburg, 7. November 2022

Unbehagen beschleicht mich, wenn ich lese, wie ein kleines Preisgeld einen großen Disput auslöst. Die Rede ist vom Hosenfeld-Szpilman-Preis, den die Uni bis 2017 verliehen hatte. Die Ouvertüre zur Neuauflage ist ein Trauerspiel.

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Lüneburg kann richtig gut Wandel – eigentlich…

Zwei Symbole für den Wandel in Lüneburg: Das Kaufhaus Karstadt ist in schwerer See, weil das Prinzip nicht mehr verfängt. Die Uni mit dem Libeskind-Bau ist Zukunft, aber sie ist noch nicht in der Mitte von Lüneburg angekommen, (Fotos: jj)

Lüneburg, 3. November 2022

Die Ratsfrau trieb im Gespräch eine Sorge um: Lüneburg, so wunderschön und vital, müsse verdammt aufpassen, dass der Stadt nicht wieder der Geruch von Provinz und der Muff von Tausend Jahren anhafte. Ich wollte widerspreche. Aber vermutlich hat die Frau mit der Sorge recht. 

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Neue Koalition: Die Elbbrücke bleibt ein Papiertiger

Lüneburg, 1. November 2022

Sie kommt, sie kommt nicht, sie kommt, sie kommt nicht, das Blumenorkel, das wir von zweifelnden Liebenden kennen, die an Blüten zupfen, steht für die Elbbrücke Neu Darchau auf: Sie kommt nicht. 

Fähre oder Brücke, das ist schon lange die Frage bei Neu Darchau an der Elbe. Im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen wird jetzt ein Fähren-Konzept favorisiert. (Fotos: jj)

Die Brücken-Planung, so sieht es nach den Koalitionsverhandlungen zwischen Rot und Grün in Hannover aus, ist nur eine Petitesse, zu einer Randnotiz geschrumpft, die lautet: „Wir favorisieren ein zukunftsorientiertes Fährkonzept Bleckede-Neu-Darchau, anstatt des Brückenbaus.“ Für Brücken-Fans ein Wumms.

Was das für die Grünen heißt, erklärt im Anhang der Landtagsabgeordnete Detlev Schulz-Hendel.

Hier tritt ein, was in mehreren Blog-Beiträgen in den vergangenen Monaten prophezeit wurde: Von Rot-Grün ist kein feuriges Brücken-Bekenntnis zu erwarten. Und so geht es denn weiter, wie in den vergangenen 30 Jahren, weil niemand den Mumm hat, Tacheles zu reden. Das hieße nämlich, klar zu sagen: Das Land beteiligt sich nicht an einer Brücken-Finanzierung. Das hat zuletzt Ministerpräsident Gerhard Schröder gewagt. Ewig her.

Das heißt natürlich auch: Der Landkreis Lüneburg als potenzieller Bauherr plant weiter. Die Brücken-Freunde trommeln weiter und nehmen vermutlich erstmal übel. Die Gemeinde Neu Darchau droht weiter mit Gericht, plant die Landkreis weiter.

Dabei haben aufmerksame Beobachter schon vor der Landtagswahl gemerkt, dass die Brücke kein Top-Thema in der Wahl ist. Schließlich haben Bund, Land und Kommunen gerade andere Sorgen als eine Brücke zu finanzieren. Das Land ist verschuldet, der Kreis ist verschuldet und die Gemeinde Neu Darchau will sowieso nicht. Und die Grünen, die lange schon als künftiger Partner der SPD gehandelt wurden und gewünscht waren, wollten eh nicht, schon gar nicht den Topf für Gemeindestraßen durch einen Brückenbau, den sie gar nicht wollen, blockieren für andere Projekte.

Auch die Haushaltspolitiker unter den Sozialdemokraten zeigten schon vor der Wahl keine große Lust auf das Thema. Und künftig ist die Minister-Konstellation in Hannover nicht gerade Brücken-tauglich: Neuer Umweltminister wird der Grüne Christian Meyer, neue Landwirtschaftsministerin die Lüneburger Grüne Miriam Staudte und der alte Umweltminister Olaf Lies wird wieder Wirtschaftsminister. Das war bisher der Christdemokrat und Brückenfreund Bernd Althusann, der viel Geld für die Brücke freigeben wollte. Das war gestern.

Wie schrieb es die künftige Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte schon 2019 hier im Blog: „Als ich hörte, dass die Planungen für eine Elbbrücke wiederaufgenommen werden sollen, konnte ich es zunächst gar nicht fassen…Dieses Spiel mit den Hoffnungen der Menschen in Amt Neuhaus finde ich unverantwortlich.“

Die Frage bleibt: Wie lange können Politiker mit Hoffnung hinhalten, ein paar Jahre, Jahrzehnte oder gar Generationen?

Hans-Herbert Jenckel

Statement Detlev Schulz-Hendel zur Frage Fähre oder Brücke.
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Eigentum verpflichtet – auch beim maroden Gradierwerk

Lüneburg, 25. Oktober 2022

Das Holzgerippe des Gradierwerks im Kurpark. (Foto: jj)

Das dickste Avacon-Aktien-Paket mit prächtigen Millionen-Dividenden lagert in Lüneburg ohne Frage in der Kurmittel GmbH. Das hat gute Gründe. Und ein Grund ist das Gradierwerk. Das wurde nur leider vernachlässigt.

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Der Never-Ending-Traum von den Vorsteuer-Millionen

14. Oktober 2022

Arena-Geschäftsführerin Sigrid Vossers und Landrat Jens Böther bei der Einweihung der Arena. (Foto: jj)

Wenn es eine Never-Ending-Story in der Region gibt, dann ist es der geradezu zwanghafte Versuch des Landkreises Lüneburg von den Baukosten der Arena möglichst viel Vorsteuer abziehen zu dürfen, am besten die ganze Vorsteuer. Da wird nun schon seit Jahren ohne fassbares Ergebnis laboriert. 

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Eine zweite Chance für den Marienplatz

Der Marienplatz verlassen. Doch Parkplatz und Ort der Begegnung unter historischer Kulisse? (Foto: jj)

Lüneburg, 8. Oktober 2022

Auf dem Marienplatz steht ein älterer Herr mit seiner Frau und schaut sich missmutig um: „Warum sollte ich dich hierher einladen?“ Für ihn ist und bleibt das ein guter Parkplatz, der seit Monaten zweckentfremdet wird. 

Nüchtern betrachtet, sieht der Platz tatsächlich gerade nicht einladend aus. Dabei hat er Potenzial, mehr zu sein als nur ein Parkplatz. Kaum ein Ort in Lüneburg hat mehr Platz-Charakter, kaum einer gibt den Blick so frei auf den Kämmereiflügel des historischen Rathauses und vor allem auf die Ratsbücherei, eine der ältesten Stadtbüchereien im Land im Speisesaal eines ehemaligen Franziskanerklosters. Dann geht der Blick von diesem prominenten Ort, leicht erhaben, auf die Westliche Altstadt und St. Michaelis, auf die alte Kreissparkasse, die hoffentlich noch wachgeküsst wird, und natürlich auf den ehemaligen Sitz des mittelalterlichen Justiziars der Hansestadt, für viele Millionen restauriert und heute eine der besten Hoteladressen der Stadt. Der Marienplatz hat, was andere Plätze wie zum bei Beispiel im Hanseviertel oder im Ilmenaugarten vermissen lassen, Proportionen, die stimmen. 

Das Potenzial aber ist verborgen. Erst war der Marienplatz lange nur Parkplatz, dann zweimal über Monate Klima-Camp. Das sah auch nicht schön aus. Und jetzt ist er seit Monaten eine Versuchsfläche dafür, was auf dem Platz entstehen könnte. Das allerdings ist dem unbefangenen Betrachter nicht auf den ersten und auch nicht auf dem zweiten Blick zu vermitteln. 

Statt zwei Wochen ein pralles Programm für diesen „Lieblingsplatz“ anzubieten mit Musik, Kunst und Info-Programm, um den Charme des Ortes zu entfalten, hat das Projekt Zukunftsstadt dort in meinen Augen eine Chance vertan. Der Platz ist meistems verweist. Und mit Chancen ist das wie auf dem Fußballplatz: verwandeln oder ärgern. 

Mein Vorschlag zur Güte: Die Versuchsfläche abbauen, ein Drittel für Behinderten- und E-Parkplätze freigeben, bis an der Innenstadt Ersatz angeboten werden kann, und zwei Drittel unter den schattigen Bäumen entsiegeln, begrünen – mit einem kleinen Springbrunnen in der Mitte. Der Rest ergibt sich, wenn erst das Potenzial entfaltet wird.

Ach, ja, da wäre noch die Corona-Test-Station. Die hat natürlich erstmal Vorrang. Aber wenn Corona mal ganz Alltag ist und auch dem letzten klar ist, dass der Wandel der Innenstadt nicht aufzuhalten ist mit mehr Wohnen, mehr kleinen Geschäften, weniger Filialisten in den 1A-Lagen, mit bescheideneren Vermietern und vor allem mit mehr Schattenplätzen im Klimawandel, dann könnte man vielleicht doch einmal über eine zweiten Chance für den Marienplatz sprechen. 

Hans-Herbert Jenckel

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